Was, wenn die Kündigung zurückgenommen wird

Kündigungsrücknahme und Folgen
Kündigung
Mein Chef hat die Kündigung zurück genommen, was nun?

Wenn gegen eine Kündigung geklagt wird, lautet der Antrag:

- ES WIRD FESTGESTELLT, dass die KÜNDIGUNG UNWIRKSAM  ist und das Arbeitsverhältnis zu ungeänderten Bedingungen fortbesteht.

Nun wissen wir aber alle, dass es Fälle gibt, bei denen die Kündigungsschutzklage nur aus einem einzigen Grund eingereicht wird, nämlich eine Abfindung zu erzielen.

Das hat sich auch bei dem einen oder anderen Arbeitgeber herumgesprochen.
 

So mancher Arbeitnehmer fällt aus allen Wolken, wenn im Gerichtstermin vor dem Arbeitsgericht auf einmal die Kündigung zurückgenommen wird.

Der Richter fragt dann natürlich: Ja, was wollen Sie denn dann noch? Mehr konnten Sie mit der Klage ja auch nicht erreichen! Fangen Sie wieder an und nehmen Sie die Klage zurück. (oder so ähnlich)

Und die Abfindung PUSTEKUCHEN?

Tatsächlich haben Sie hier keinen Anspruch auf eine Abfindung. Es gilt dann im Verhandlungswege, wenn man tatsächlich nicht mehr dort arbeiten möchte, auszuloten, zu welchen Konditionen der Chef bereit ist, das Arbeitsverhältnis einvernehmlich zu lösen.

Manchmal ist das auch nur Taktik des Chefs, um den Preis zu drücken. Die Chefs sind ja oftmals auch rechtlich beraten.

Allein durch die Rücknahme der Kündigung wird das Arbeitsverhältnis aber noch nicht fortgesetzt. Sie müssen dem vielmehr zustimmen.

Es kann ausnahmsweise aber auch eine Fallkonstellation geben, wonach Ihnen die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zumutbar ist. (z.B. nach Mobbing, Verleumdung o.ä.) In einem solchen Fall kann man auch an § 9 Kündigungsschutzgesetz denken. Das Gericht kann auf Antrag feststellen, dass das Arbeitsverhältnis nicht durch Kündigung beendet worden ist, und dieses gleichwohl gegen Zahlung einer angemessenen Abfindung aufgelöst wird.

Vielleicht kommt man mit diesem Antrag nicht unbedingt durch. Aber es kann aus taktischen Gründen eine gute weitere Basis für Vertragsverhandlungen sein. Allerdings ist hier Fingerspitzengefühl erforderlich.



Autoreninformation:

RA Michael Borth
Rechtsanwalt seit 1988, gebürtiger Hamburger, Autor des Ratgebers "Nein Chef".

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