Nebenjob während des Studiums

Versicherungsrechtliche Besonderheiten
Arbeitsvertrag
Das Studium zählt wohl zu den schönsten Zeiten im Leben.
Doch auch das Studentenleben ist nicht billig- neben lustigen Studentenfeiern kosten
natürlich auch die Lehrbücher und sonstige Studienunterlagen eine Menge Geld.
Auch muss die Miete bezahlt und der Kühlschrank gefüllt werden.
Daher geht eine Vielzahl der Studenten einem Nebenjob nach.
Doch was ist hierbei zu beachten?
Häufig wird ein Aushilfsarbeitsverhältnis vereinbart.
Die normalen arbeitsrechtlichen Regelungen finden Anwendung.
 
Somit würde die Tätigkeit grundsätzlich der Versicherungspflicht
(Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung) unterfallen.
Bei Studenten gibt es jedoch bezüglich der Sozialversicherung Besonderheiten und Ausnahmeregelungen.

Grundsätzlich sind Personen, die während der Dauer ihres Studiums einer Beschäftigung nachgehen versicherungsfrei für Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.

Die Versicherungsfreiheit gilt jedoch nur für ordentlich Studierende.
Dies sind Studenten, die an einer Hochschule oder Fachschule eingeschrieben sind und deren Haupttätigkeit auf dem Studim beruht.

Die Beschäftigung wird also nur "nebenbei" ausgeübt und nimmt weniger Zeit und Kraft in Anspruch als das Studium.

Als Nachweis hierfür dient die Immatrikulationsbescheinigung.

Studenten unterliegen jedoch der Rentenversicherung, sofern sie einer mehr als geringfügigen Beschäftigung nachgehen.
Hierbei spielt es keine Rolle, ob die Tätigkeit während der Vorlseungszeit oder während der Semesterferien ausgeübt wird.

Wichtig!
Sobald man den ersten Hochschulabschluss (z.B. Staatsexamen bei Juristen, Diplom) erreicht hat gilt man nicht mehr als ordentlich Studierender-
unahängig davon, ob man weiterhin eingeschrieben bleibt oder nicht.

Somit entfällt mit dem ersten Hochschulabschluss die Versicherungsfreiheit.
Folglich unterliegen zum Beispiel Studenten in einem Aufbau-, Ergänzungs- oder Zweitstudiengang der Versicherungspflicht, sofern sie vorher einen Hochschulabschluss erreicht haben.
Auch besteht Versicherungspflicht, wenn der Student an Prüfungen teilnimmt, die lediglich der Verbesserung der Abschlussnote dienen, sowie bei Referendaren und Doktoranten.

Wird eine geringfügige Beschäftigung ausgeübt ergeben sich keine Probleme.
Doch selbst wenn die Beschäftigung die Geringfügigkeit überschritten wird, bedeutet dies nicht unbedingt eine Versicherungspflicht.
Es ist abzustellen auf den Einzelfall- vor allem die Arbeitszeit spielt eine wichtige Rolle.
Also zum beispiel die monatliche Arbeitszeit und deren Verteilung.

Weiterhin ist noch zu unterscheiden, ob eine Tätigkeit während der Semesterferien oder während der Vorlseungszeit ausgeübt wird.

Beschäftigungen, die nur während der Semesterferien ausgeübt werden, sind versicherungsfrei für die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.
Dies gilt unabhängig von der wöchentlichen Arbeitszeit.
Die Freiheit endet, wenn die Beschäftigung nach Ende der Semesterferien weiter andauert (mehr als 2 Wochen) und dann 20 Wochenstunden übersteigt.

Wird die Tätigkeit während der Vorlesungszeit ausgeübt besteht Versicherungspflicht, wenn die wöchentliche Arbeitszeit 20 Stunden übersteigt.
Wird die 20- Stunden- Grenze nicht überschritten besteht Versicherungsfreiheit- unabhängig von der Höhe des Verdienstes.

Von dieser 20- Stunden- Grenze können im Einzelfall nach der Rechtssprechung des Bundessozialgerichts Ausnahmen gemacht werden.
Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die 20- Stunden- Grenze überschritten wird, die Lage der Arbeitszeit jedoch genau dem Studium angepasst ist.

Jedoch bleibt die Rentenversicherungspflicht trotzdem bestehen.



Autoreninformation:

RA Michael Borth
Rechtsanwalt seit 1988, gebürtiger Hamburger, Autor des Ratgebers "Nein Chef".

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